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Törn-Bericht 2012 (Bodensee)

von Dieter Wagner

FVV-Segler zeigen Flagge

 

Zum 2012er Törn der FVV-Segler traf sich die sechsköpfige Crew am sonnigen 1. Septembersonntag in Gohren am Bodensee, dem mit 1.500 Liegeplätzen größten Yachthafen am Bodensee, zugleich dem zweitgrößte Yachthafen Deutschlands.

 

Am frühen Abend folgte die sorgfältige Einweisung von Skipper und Co-Skipper in die Funktionen unseres Segelschiffs durch Georg, unseren Vercharterer. Jetzt nannten wir eine Bavaria 34 für die nächsten 5 Tage unser Eigen. Der Cruiser mit dem sinnhaften Namen CHILL OUT war eine stattliche Jacht (Länge 11,30 m, Breite 3,67 m, Tiefgang 1,65 m, mit Rollgroßsegel 39 m² und Rollgenua 30m²).

 

dsc 0188Nachdem die Kojen verteilt, Gepäck, Proviant und Kuscheldecken verstaut waren und sich die Kerls eingenistet hatten, wurde die Besitznahme der Chill Out gebührend gefeiert. Am folgenden Tag hieß es nach schmackhaftem Frühstück „Leinen los“ und hinaus auf’s Schwäbische Meer. Unser Skipper vermittelte seiner Mannschaft Grundkenntnisse des Segelns, waren doch 50% ahnungslos, aber wissbegierig und heiß, unter Segel zu fahren. Bei mäßigem Wind steuerten wir Lindau an und machten fest für einen kleinen Stadtrundgang. Schon bald ging es weiter, denn wir wollten die Nacht in Bregenz verbringen. Noch kreuzten wir in der Bregenzer Bucht und besahen die monumentale Seebühne der Festspiele von der Seeseite, als Wind aufkam, der sich zu einer starken Brise steigerte. Also Segel reffen, bergen und mit Motorkraft durch die schmale Hafeneinfahrt. Und plötzlich waren Sie erstmals da: hektische Aktionen, harte Kommandos, heftige Reaktionen, als die Yacht bei starkem Seitenwind festgemacht werden sollte. Erschwert wurde das Manöver dadurch, dass das Boot mit dem Heck am Steg anlegen und über eine „Mooring“ (Betonklotz mit Kette im Hafenbecken) am Bug gesichert werden musste. Gemeinsam waren wir stark – schließlich klappte es. Als alle Sicherungstaue gelegt waren, schlief der Wind ein. Der Käpt'n belohnte hernach das erfolgreiche Team mit einem gar vorzüglichen Champignon-Risotto.

 

Der Dienstag begann, wie nahezu jeder Morgen, mit diesigem Himmel. Wir verließen Austria mit Motorkraft und konnten bald die Segel setzen. Wir fanden, es sei jetzt an der Zeit unsere Regenbogenflagge zu hissen und die stolze Yacht zum Gay Cruiser zu machen. Die Route war eine gewaltige Tour bis nach Konstanz. Geschätzte Reisezeit 7 Stunden. Nach kurzer Zeit frischte der Wind auf, die Segel wurden in den Wind gedreht und der Steuermann verkündete 5 Knoten, 5,7 Knoten, 6 Knoten. Jetzt erwachte in den Kerls der Seebär. Von Ergeiz gepackt wurde aus unserer „Chill out“ ein Bodenseeflitzer, der auf schaumgekrönten Wellen unser Tagesziel in nur 5 Stunden erreichte. Im sicheren Hafen fanden wir einen Liegeplatz gegenüber der „Imperia“, einem satirischen Denkmal zur Erinnerung an das Konzil von Konstanz (1414–1418). Nach dem Vertäuen gab’s -wie immer- den Anlegeschluck und danach die Begehung der Stadt. Heute machte sich unser „Benjamin“ in der Kombüse nützlich und kreierte eine Pasta „speciale“ von der, trotz randvollem Topf nichts übrig blieb.

 


dsc 0099Mittwoch hieß der Zielhafen Meersburg und es galt den Bodensee in nördlicher Richtung zu queren. Das Wetter war nett, sonnig mit leichtem Wind.
Natürlich nutzten wir die Gelegenheit die nahe gelegene Blumeninsel der Bernadottes zu beschauen, allerdings aus sicherer Entfernung von See aus (geringe Wassertiefe) und das Anlagen von Privatbooten ist nicht statthaft. Auf unserem Kurs war die Fährverbindung (Konstanz – Meersburg) zu durchkreuzen, ein recht heikles Unterfangen, da ständig dicke Pötte in oder aus dem Hafen fuhren. Nach einigem hin und her manövrieren, erhielten auch wir unseren „slot“ und segelten in westlicher Richtung. Segel einholen, Boot stoppen und dann wurde erstmals die Badeplattform ausgeklappt und man(n) rüstete sich zum Bade. Erst Einer, dann ein Zweiter und schließlich waren 50 % der Crew im sehr erfrischenden Nass (max. 2 cm). „Chill out“ für alle, bis auf Steuermann und Navigator; es sollte ja gen Meersburg gehen. Das Echolot im Auge näherten wir uns der Wein-Stadt am Steilhang. In den ersten Hafen, den man auserkoren hatte, ließ man uns nicht rein. Wir rätseln noch immer ob es wirklich an der Größe unserer Yacht lag oder der unübersehbaren Gay-Flag. Also
nächster Versuch in einem kleinen Hafen mit sehr geringer Wassertiefe; wir hofften auf die sprichwörtliche Handbreit unterm Kiel. Souverän steuerte der Kapitän in die enge Hafeneinfahrt – alles belegt! Nach einer atemberaubenden 180° - Wende in der schmalen Boxengasse, alle Mann waren vorn, hinten, seitlich am Boot positioniert, fuhren wir Heck voran quer vor ankernde Boote und machten fest, nachdem uns die Nachbarn kopfnickend zugestimmt hatten und bemerkten:“ wir fahren morgen spät los, wir machen das, was auf euerem Boot steht „chill out“. Fast zeitgleich legte eine Yacht mit 3 ansehnlich Kerls an. Wie schnuggelig, eröffnete sich Zweien von uns beim Duschen am nächsten Morgen! Durch eine Pasta-Variation gestärkt, machten wir uns bei herrlichem Sonnenschein auf ins Städtchen, erklommen die steilen Gassen und genossen bei einem kühlen Schluck das Panorama.

 

dsc 0100Der nächste Morgen startete mit einem opulenten Frühstück an Deck und dann ging es mit kurzen, knappen Kommandos ans Ablegen, das wie am Schnürchen klappte, da inzwischen jeder wusste was, wo, wann und wie zu tun war und hinaus auf See. Wir kreuzten, dem Wind folgend und verbrachten die meiste Zeit mitten auf dem Binnenmeer, bis es hieß: “Kurs auf Friedrichshafen“. Auch hier mussten wir uns Terrain erkämpfen, da ständig Fähren und Fahrgastschiffe, die Vorrang hatten, ein und aus fuhren. Nach mehrmaligem Wenden und im Kreis drehen konnten wir endlich die Hafeneinfahrt passieren. Auch hier waren die Liegeplätze rar, bzw. arg klein. Dank eines überaus freundlichen Hafenmeisters erhielten wir einen extrem komfortablen Liegeplatz, direkt am Kai, von wo aus wir genüsslich das vorbei kommende Publikum begutachten und Kerls (für jeden Geschmack etwas) taxieren konnten. Dann machten wir uns landfein und flanierten bei herrlichem Sonnenschein entlang der Uferpromenade um danach alleine oder zu zweit das größte Städtchen am Bodensee zu erkunden. Zum Dinner traf man sich wieder an Bord, um danach den letzten gemeinsamen Abend gebührend zu feiern.

 

img 1883Der nächste Morgen, wie immer hatte Stef knackige Brötchen besorgt, brachte nach der Körperpflege ein ausgiebiges Frühstück, länger als üblich, denn der See war in leichten Nebel gehüllt und keiner hatte es eilig fort zu kommen. Und es galt zu packen und unser „Schätzchen“ auf Hochglanz zu bringen. Doch irgendwann meinte der Co-Käpt’n: Klar zum Auslaufen und Leinen los. Unter Motor tuckerten wir zur Hafenausfahrt, aufmerksam die dort ankernden Fähr- und Fahrgastschiffe im Auge. Fährt eines ab, oder können wir loslegen?? Der Käpt’n entschied, wir können! Doch auch der Kapitän der Autofähre meinte „ich kann“ und plötzlich schwamm hinter unserer vermeintlich großen Jacht, ein riesiger, mehrstöckiger Kahn. Doch wir waren die Ersten auf dem See, der sich bald von seiner besten Seite zeigte, mit Sonne und leichtem Wind. Wir genossen das Kreuzen zwischen den in immer größerer Zahl auf dem Wasser dahingleitenden Yachten, die nicht immer von Könnern gesteuert wurden, sodass unsere Gayflag häufig in wechselnder Richtung wehte, weil wir trotz Vorfahrt ahnungslosen oder reaktionsschwachen Wassersportlern ausweichen musste. Obwohl wir uns langsam, aber merklich dem Heimathafen der „Chill Out“ näherten, hatten wir noch einmal riesig Spaß, bevor wir mit einem fast perfekten Anlegemanöver in Gohren festmachten. Die Crew hatte den Auftrag Gepäck und Reste der Verpflegung auszuladen und in den Pkw’s zu verstauen. Kapitän und Co-Kapitän übergaben die Yacht an den Vercharterer, der nach genauer Kontrolle hocherfreut feststellte, wie vorbildlich die Tuckencrew mit dem Schiff umgegangen war; man dürfe gerne wiederkommen.

 

Der Bericht schließt ohne Fazit, das ein jeder aus der Crew, die in vielerlei Hinsicht kaum unterschiedlicher hätte sein können, selbst für sich zieht (dem Vernehmen nach durchweg positiv).

 

 

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